Nicaragua
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Agua es vida Dokumentation 2008

In bestimmter Hinsicht ist Nicaragua ein reiches Land. Die Landwirtschaft an der Westküste etwa findet exzellente Bedingungen für ihre Produktion vor. Die schier unerschöpfliche Sonneneinstrahlung, die pro Jahr fast das Doppelte der Menge im Vergleich zu Norddeutschland erreicht, könnte der sichere Garant für die Produktion nicht nur der Biomasse, sondern auch der Elektrizität sein. Der Boden ist fruchtbar und durch Vulkanasche hoch mineralisiert und selbst die Niederschläge sind im Raum Leon – eins der trockensten Gebiete Nicaraguas – mit etwa 1600 mm pro Jahr hinreichend. Doch diese Niederschläge fallen nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt, kurze und heftige Regenzeiten wechseln sich mit langen Trockenperioden ab. Normalerweise gibt es eine kleinere Regenzeit im Mai/Juni und eine große im September/Oktober. Seit Jahren beobachten die Bauern an der Pazifikküste Nicaraguas jedoch, dass die kleinere Regenzeit „versiegt“, d.h., geringere Niederschläge bringt oder ganz ausbleibt. Dann dehnt sich die Trockenzeit auf neun Monate aus. Ausbleiben der Regenzeit bei gleichzeitigem Rückgang der absoluten Niederschlagsmenge, das führt laut WHO zu einem „Korridor der Trockenheit“ in Zentralamerika. 8,6 Millionen Menschen leben in diesem Korridor und das westliche Nicaragua gehört zu dieser vom Klimawandel bedrohten Region.
Wenn neben der extrem unregelmäßigen Niederschlagsverteilung noch die Verschmutzung der fließenden Gewässer hinzutritt, wird die unzureichende Versorgung mit sauberem Wasser bedrohlich. Wenn etwa der Rio Chiquito die Stadt Leon verlässt, ist er eine übelriechende, giftgrüne Kloake. Auf dem etwa 30 km langen Weg von Leon zum Pazifik fließt der Rio Chiquito durch das Land jener Viehzüchter, die das Wasser des Flusses seit Urzeiten nutzen, um ihre Rinder zu tränken. Seit geraumer Zeit wird ihnen aber dieses Wasser zusehends gefährlicher. Rinder, die das Wasser des Rio Chiquito saufen, werden krank oder sterben gar. Wer den Fluss in Leon dermaßen verunreinigt, ist nicht klar, manche sagen, dass es vor allem die Gerberbetriebe Leons sind, die bei ihrer Arbeit mit allerlei giftigen Stoffen (u.a. Schwermetallen) arbeiten. Nach wie vor fließt aber auch ein großer Teil der privaten Abwässer ungeklärt in den Fluss. Die Abwässer werden in Leon nicht wirkungsvoll kontrolliert.. Im März 2008 war erstmals eine Schülergruppe bei einem Viehzüchter im Einzugsgebiet des Rio Chiquito, um eine Solarpumpe zu installieren, die heute sauberes Wasser für Mensch und Tier aus dem neugebauten Brunnen fördert. Eine weitere Anlage dient der Feldbewässerung.
2002 begann innerhalb der Städtepartnerschaft Hamburg – Leon die Kooperation zwischen dem Agrarinstitut der Universität von Leon/Nicaragua (UNAN) und der Gesamtschule Blankenese-Hamburg. Diese Partnerschaft stellte von Anfang an das Thema „solargestützte Bewässerungssysteme“ ins Zentrum ihrer Zusammenarbeit. Innerhalb des Kooperationsprojektes der UNAN und der GS Blankenese sind inzwischen 10 Pumpanlagen entstanden, die durchweg gute Ergebnisse erzielten. Alle Anlagen arbeiten zuverlässig und nahezu wartungsfrei. Sie verfügen über insgesamt 4,4 kW Solargeneratorleistung und ersparen der Atmosphäre pro Jahr ca. 27500 kg CO2, die beim Einsatz leistungsentsprechender Dieselgeneratoren erzeugt worden wären. In den Trockenzeiten sind zusätzliche Ernten eingefahren worden. Der produktive Einsatz der Solarenergie erweist sich als unmittelbar existenzsichernd. Das Einkommen der betroffenen Bauern konnte gesteigert und die Ernährungssituation ihrer Familien verbessert werden.

Dokumentation 2008 (PDF)

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