Tansania
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Solarkocher für Ibungila

Eigentlich beginnt die Geschichte unseres Solarkochers schon 1995, als wir in einem Wahlpflichtkurs Natur und Technik mit dem Bau eines Kochers begannen. Den Bauplan hatte ich zuvor in der Seglerzeitschrift “Palstek” entdeckt und gleichzeitig über seine Einsatzmöglichkeiten gelesen. Auch unser Kocher sollte einmal in Afrika zum Einsatz kommen.

Der Zufall wollte es, daß uns noch während der Bauphase David Kyungu begegnete. Er ist freier Journalist und pendelt zwischen seinem Heimatland Tansania und seiner Wahlheimat Hamburg. Gleichzeitig ist er “Botschafter” der Secondary School seines Heimatdorfes Ibungila und sieht sofort die Chance einer Zusammenarbeit zwischen beiden Schulen. Der Solarkocher soll der “Aufhänger” werden. Ein weiterer Zufall will es, daß David Kyungu die Möglichkeit hat, einen Container mit Hilfsmaterialien nach Tansania zu schicken. Der Solarkocher wird fertiggestellt, verladen und geht auf die Reise.

Wir bauen einen zweiten Kocher in Hamburg und planen gleichzeitig die Reise nach Tansania. David erzählt vor den Schülern von seiner Heimat, berichtet auch von den Grenzen der Einsatzmöglichkeiten eines Solarkochers in den Bergen Süd-Tansanias, macht uns aber auch Mut, den Kocher im Gepäck zu haben und ihn gemeinsam mit den afrikanischen Schülern zu bauen. Wir sind uns einig: Durch die gemeinsame Arbeit wollen wir voneinander lernen, uns näherkommen trotz aller Unterschiede.

Im Herbst 1997, ein Jahr nach dem Eintreffen des Containers, ist es soweit: Sechs Schüler und vier Lehrer der Gesamtschule landen in Dar es Salaam. Schon auf der Fahrt im angemieteten Bus Richtung Ibungila werfen wir noch einen Blick in den noch immer in Dar es Salaam abgestellten Container und entdecken dort “unseren” Solarkocher. Er wird so weit wie möglich demontiert und zusätzlich in den schon vollen Bus geladen.

Hatte es unsere Planung zwar nicht vorgesehen, so erwies es sich doch als Glücksfall, einen fertigen Kocher im Gepäck zu haben. Schnell war an unserem Zielort alles wieder zusammengebaut und eine erste Demonstration konnte erfolgen. Hochmotiviert wollten unsere neuen afrikanischen Freunde einen zweiten Kocher mit heimischen Materialien bauen. Nur die Reflektorbleche hatten wir fertig geschnitten als Handgepäck aus Hamburg mitgebracht.

Woraus das Grundgestell fertigen? Welches Material läßt sich problemlos zum Kreis biegen, so daß ein parabolischer Spiegel entstehen kann? Wie sollen die Einzelteile miteinander verbunden werden? Nach kurzem Nachdenken hatten Schüler und Lehrer der Secondary School ihre afrikanische Lösung gefunden: Bambus und Sisalband sollen eingesetzt werden. Bambus wuchs am nahegelegenen Wasserlauf und war schnell herangeschafft. Mit einem Buschmesser ließen sich die Stämme ablängen und der Länge nach in unterschiedlcih breite Streifen teilen.

Die Teile für das Grundgestell waren zügig zusammengestellt und mit Sisalband miteinander verbunden. Nun mußten drei unterschiedlich große, halbwegs kreisförmige Ringe aus Bambusstreifen hergestellt werden. Zunächst wurden mit Band und Stock Kreise im Sand gezogen, anschließend Stöcke auf den Kreislinien in den Boden geschlagen. Nun konnten die Bambusstreifen um die Stöcker gebogen und an den überlappenden Enden mit Band verbunden werden.

Am nächsten Tag wurden die Ringe von den Stöcken abgezogen. Sie behielten ihre Form bei und konnten auf einem Bambuskreuz befestigt werden, so daß eine “Schüssel” entstand. Nun mußten nur noch die Reflektorbleche befestigt werden, fertig war der Parabolspiegel.

Das Interesse bei Schülern, Lehrern und Dorfbewohnern am Solarkocher war groß, immer wieder wurde mit den Händen getestet, wie heiß es in der Mitte des Spiegels wurde. “wo ist das Feuer? Bekommt man bei Berührung des Kochers einen elektrischen Schlag? Warum sind die Reflektorbleche kalt?” Fragen, die wiederholt gestellt wurden und deren Antworten ungläubiges Staunen hervorriefen.

Um die Zweifel auszuräumen, mußte eine Mahlzeit mit dem Solarkocher zubereitet werden. Wasser wurde gekocht und Maismehl hineingegeben, um das traditionelle “ugali” zu kochen. Anschließend wurde Öl erhitzt, um darin Zwiebeln und Gemüse zu garen. Nach knapp eineinhalb Stunden war das Essen zubereitet. Ein überzeugender Auftakt!

Beim Kochen machten wir eine neue Erfahrung: den Bau des Grundgestells hätten wir uns vereinfachen können, denn der Spiegel muß bei Benutzung so nah am Äquator nur in einer Ebene der Sonne nachgeführt werden. Zwei Pfähle, in Nord-Süd-Ausrichtung in den Boden geschlagen, hätten als Aufhängung für den Spiegel gereicht.

Bei aller Freude über diesen Bau- und Kocherfolg wurden aber auch die Grenzen deutlich. Zum einen regnet es in Ibungila während fünf Monaten im Jahr häufig, zum anderen kochen die Hausfrauen nach Sonnenuntergang. Die afrikanischen Lehrer machten deutlich, daß eine Veränderung der Kochgewohnheiten wohl nur über die Erfahrungen der Schüler in der Schule wird erfolgen können. Geduld und weitere Ideen, zum Beispiel der Einsatz einer Kochkiste (nächste Reise?), werden nötig sein, um der auch in Ibungila erkannten Gefahr einer weiteren Abholzung der Bäume für Brennmaterial zu begegnen. Möglicherweise könnte der Parabolspiegel aber auch, wie gerade gelesen, als Wärmequelle für einen Absorberkühlschrank dienen.

Der Solarkocher hat seine Aufgabe erfüllt: Er war Anlaß gemeinsamer Arbeit, Anlaß vieler Gespräche. An ihm konnte gezeigt werden, daß eine Idee umgesetzt werden kann. Er hat Mut gemacht, mit unserer tansanischen Partnerschule weiter über gemeinsame Projekte nachzudenken, um sie in gemeinschaftlicher Arbeit zu verwirklichen. So wird mehr als Entwicklungshilfe geleistet: Junge Menschen kommen sich näher und gestalten ein Stück Umwelt und Zukunft.

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